Stimmen aus dem Unterricht

Wir freuen uns, gemeinsam mit Laurent Engler, Dozent des Seminars «Aggressionsmanagement im Gesundheitswesen (AGG)», einen persönlichen Einblick in den Unterricht und seine Erfahrungen zu erhalten.

Gab es ein Erlebnis aus der Praxis, das Ihre Sicht auf Aggression im Gesundheitswesen nachhaltig geprägt hat?

Laurent Engler: Während meiner langjährigen Tätigkeit bei der Polizei und als Einsatztrainer habe ich zahlreiche Konflikt- und Gewaltsituationen erlebt. Besonders beeindruckt hat mich jedoch die Professionalität von Pflegefachpersonen, die täglich mit Menschen in Ausnahmesituationen arbeiten. Mir wurde bewusst, dass viele Eskalationen verhindert werden können, wenn Warnsignale früh erkannt und die richtigen kommunikativen Werkzeuge eingesetzt werden. Genau deshalb ist Prävention für mich heute wichtiger als Intervention.

Warum ist Aggressionsmanagement heute wichtiger denn je im Gesundheitswesen?

Laurent Engler: Gewalt und Aggression gegenüber Mitarbeitenden im Gesundheitswesen nehmen seit Jahren zu. Gleichzeitig erwarten Patientinnen, Patienten und Angehörige immer schnellere Lösungen in einem System, das häufig an seine Grenzen kommt. Mitarbeitende müssen deshalb nicht nur fachlich kompetent sein, sondern auch wissen, wie sie sich selbst und andere schützen können, ohne die Beziehungsebene zu verlieren.

Was wird im Umgang mit aggressiven Situationen am häufigsten unterschätzt?

Laurent Engler: Viele Menschen achten erst auf die Gefahr, wenn die Situation bereits eskaliert ist. Dabei kündigen sich die meisten Konflikte deutlich früher an – durch Verhaltensänderungen, Körpersprache oder verbale Signale. Wer diese Frühwarnzeichen erkennt, hat die besten Chancen, eine Eskalation zu verhindern.

Was nehmen Teilnehmende nach dem Seminar ganz konkret in ihren Berufsalltag mit?

Laurent Engler: Sie gewinnen mehr Sicherheit im Umgang mit schwierigen Situationen. Sie lernen, Risiken frühzeitig einzuschätzen, deeskalierend zu kommunizieren, ihre persönliche Sicherheit zu erhöhen und auch unter Stress ruhig und professionell zu handeln. Unser Ziel ist, dass die Teilnehmenden am nächsten Arbeitstag bereits konkrete Methoden anwenden können.

„Ihr wichtigster Deeskalations-Tipp in einem Satz"

Laurent Engler: „Ruhe ist ansteckend – wer in kritischen Situationen ruhig bleibt, beeinflusst oft die gesamte Dynamik positiv."