Stimmen aus dem Unterricht
Wir freuen uns sehr, gemeinsam mit Janine Henrion, Dozentin im Seminar Aggressionsmanagement im Gesundheitswesen - AGG, einen persönlichen Einblick in den Unterricht zu erhalten.
Gab es ein Erlebnis aus der Praxis, das Ihre Sicht auf Aggression im Gesundheitswesen nachhaltig geprägt hat?
Janine Henrion: Während meiner Tätigkeit in der Krankenpflege habe ich mehrfach erlebt, dass Aggression nicht aus Boshaftigkeit entsteht, sondern oft Ausdruck von Angst, Überforderung, Schmerzen oder Kontrollverlust ist. Besonders prägend war eine Situation mit einem Angehörigen, der aus Sorge um einen nahestehenden Menschen verbal sehr aggressiv wurde. Als wir es schafften, seine eigentlichen Ängste zu erkennen und anzusprechen, entspannte sich die Situation vollständig. Dieses Erlebnis hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, hinter das Verhalten zu schauen und nicht nur auf die Aggression selbst zu reagieren.
Warum ist Aggressionsmanagement heute wichtiger denn je im Gesundheitswesen?
Janine Henrion: Die Belastung im Gesundheitswesen nimmt kontinuierlich zu. Zeitdruck, Personalmangel, lange Wartezeiten und gesellschaftliche Spannungen führen dazu, dass Mitarbeitende immer häufiger mit herausforderndem Verhalten konfrontiert werden. Professionelles Aggressionsmanagement schützt nicht nur die Mitarbeitenden, sondern verbessert auch die Versorgungsqualität und die Sicherheit aller Beteiligten.
Was wird im Umgang mit aggressiven Situationen am häufigsten unterschätzt?
Janine Henrion: Viele Menschen konzentrieren sich auf das, was sie sagen wollen. Dabei wird oft unterschätzt, wie stark die eigene Körpersprache, Stimme und Ausstrahlung auf das Gegenüber wirken. Menschen nehmen innerhalb von Sekunden wahr, ob ihr Gegenüber Sicherheit, Ruhe und Respekt vermittelt. Genau dort beginnt erfolgreiche Deeskalation.
Was nehmen Teilnehmende nach dem Seminar ganz konkret in ihren Berufsalltag mit?
Janine Henrion: Die Teilnehmenden erhalten sofort anwendbare Werkzeuge für den Alltag. Sie lernen, Aggressionssignale frühzeitig zu erkennen, ihre eigene Wirkung bewusst einzusetzen, Konflikte professionell zu entschärfen und auch in belastenden Situationen handlungsfähig zu bleiben. Besonders wichtig ist uns, dass die Inhalte praxisnah und realistisch sind.
„Mein wichtigster Deeskalations-Tipp in einem Satz ..."
Janine Henrion: „Wer zuerst versucht zu verstehen, bevor er verstanden werden will, hat bereits den wichtigsten Schritt zur Deeskalation gemacht."
Herzlichen Dank für das Interview!
Sie interessieren sich für Seminar? Der nächste Start ist am 7. September 2026 statt.